Die neue DIN 1045 und
das BBQ-Konzept: Qualität im Betonbau gemeinsam sichern
Mit der Überarbeitung
der Normenreihe DIN 1045 wurden die Anforderungen an die Planung und Ausführung
von Tragwerken aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton weiterentwickelt. Eine
wesentliche Neuerung ist das Betonbauqualitätskonzept (BBQ). Es verfolgt das Ziel,
die Qualität von Betonbauwerken durch eine bedarfsgerechte Planung, eine
gezielte Abstimmung der Beteiligten und eine systematische Qualitätssicherung
zu unterstützen.
Für unser Büro ist die Auseinandersetzung mit den neuen Anforderungen ein
wichtiger Bestandteil der fachlichen Weiterentwicklung.
Was steckt hinter der
neuen DIN 1045?
Die überarbeitete
Normenreihe DIN 1045 wurde im August 2023 veröffentlicht. Sie umfasst
Regelungen zu den Grundlagen des Betonbaus, zur Tragwerksplanung und Bemessung
sowie zu den Anforderungen an Beton, Bauausführung und Betonfertigteile.
Im Mittelpunkt steht
neben den technischen Anforderungen ein stärker strukturierter Umgang mit der
Qualität von Betonbauwerken. Denn ein Gebäude mit üblichen Anforderungen stellt
andere Anforderungen an Planung, Baustoffe und Ausführung als ein komplexes
Ingenieurbauwerk oder ein Bauteil mit besonderen technischen Randbedingungen.
Das BBQ-Konzept
schafft hierfür einen systematischen Rahmen. Es soll dazu beitragen, die
Anforderungen einer Bauaufgabe frühzeitig zu erkennen, Zuständigkeiten und
Schnittstellen besser abzustimmen und mögliche Probleme bereits in der
Planungsphase zu vermeiden.
Was bedeutet BBQ?
BBQ steht für
BetonBauQualitätsklassen. Die DIN 1045-1000 unterscheidet drei Klassen:
BBQ-N – normale
Anforderungen: Für Bauaufgaben mit üblichen Anforderungen an Planung, Beton und
Bauausführung.
BBQ-E – erhöhte
Anforderungen: Für Bauaufgaben, bei denen in mindestens einem Bereich erhöhte
Anforderungen bestehen.
BBQ-S – spezielle
Anforderungen: Für Bauaufgaben, bei denen besondere, projektspezifisch
festzulegende Anforderungen erforderlich sind.
Die Einordnung richtet
sich nicht allein nach der Größe eines Bauwerks. Entscheidend sind vielmehr die
Anforderungen und die Komplexität in den Bereichen Planung, Beton und
Bauausführung.
Während bei BBQ-N
keine zusätzlichen Kommunikations- und Dokumentationsabläufe des BBQ-Konzepts
vorgesehen sind, ist bei BBQ-E und BBQ-S eine intensivere Abstimmung der
Projektbeteiligten vorgesehen. Dazu gehören insbesondere Betonfachgespräche und
– entsprechend den normativen Vorgaben – die Erstellung und Fortschreibung
eines Betonbaukonzepts.
Warum ist das
BBQ-Konzept sinnvoll?
Die Qualität eines
Betontragwerks hängt nicht allein von einer korrekten statischen Berechnung
oder der gewählten Betongüte ab. Ebenso wichtig sind die Abstimmung zwischen
Planung und Ausführung, die geeignete Auswahl der Baustoffe, das Bauverfahren
und die fachgerechte Verarbeitung des Betons.
In der Praxis treffen
dabei unterschiedliche Anforderungen und Verantwortungsbereiche aufeinander.
Werden wichtige Informationen zu spät weitergegeben oder technische
Randbedingungen nicht frühzeitig berücksichtigt, können Rückfragen,
Verzögerungen oder Ausführungsprobleme entstehen.
Das BBQ-Konzept setzt
deshalb auf eine strukturierte Kommunikation zwischen Bauherrschaft,
Tragwerksplanung, ausführenden Unternehmen, Betonherstellern und weiteren
Fachbeteiligten. Bei komplexeren Bauaufgaben sollen technische Lösungen
frühzeitig gemeinsam abgestimmt und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Auch die
Weiterentwicklung des Betonbaus spielt eine Rolle: Neue Betonzusammensetzungen,
klinkerreduzierte Zemente und der Einsatz rezyklierter Gesteinskörnungen
eröffnen Möglichkeiten, Ressourcen zu schonen und die Umweltwirkungen des
Bauens zu reduzieren. Gleichzeitig müssen Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und
Ausführungsqualität zuverlässig sichergestellt werden.
Bauordnungsrechtliche
Einordnung in Bayern
In Bayern ist die neue
DIN 1045-1000 über die Bayerischen Technischen Baubestimmungen (BayTB), Ausgabe
November 2025, bauaufsichtlich eingeführt. Dabei ist eine wichtige
Differenzierung zu beachten: Die in der Norm enthaltenen Anforderungen an die
Kommunikation und deren Dokumentation, insbesondere im Zusammenhang mit dem
BBQ-Konzept, sind von der bauaufsichtlichen Einführung ausgenommen. Die
eingeführten technischen Anforderungen der Norm bleiben davon unberührt.
Für die Praxis
bedeutet das, dass zwischen den bauordnungsrechtlich eingeführten technischen
Regeln und den darüber hinausgehenden Kommunikations- und
Dokumentationsprozessen unterschieden werden muss. Eine projektbezogene
Abstimmung der Beteiligten kann unabhängig davon fachlich sinnvoll sein und
vertraglich vereinbart werden. Welche Anforderungen im konkreten Bauvorhaben
gelten, ist anhand der jeweils maßgeblichen Fassung der BayTB sowie der
Projektbedingungen und vertraglichen Vereinbarungen zu beurteilen.
Welche Rolle spielt
die fachkundige Person?
Bei Bauaufgaben mit
erhöhten oder speziellen Anforderungen kommt der fachkundigen Person eine
wichtige Funktion zu. Sie bringt nachweislich vertiefte Kenntnisse in der Betonbautechnik
ein und unterstützt die Abstimmung zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen –
von der Planung bis zur Bauausführung.
Zu ihren Aufgaben
gehört insbesondere die Mitwirkung an Betonfachgesprächen. Dabei werden
relevante Anforderungen an Planung, Baustoffe und Ausführung gemeinsam
betrachtet und technische Fragestellungen frühzeitig geklärt. Auch Aspekte der
Betontechnologie, Qualitätssicherung und Dauerhaftigkeit spielen dabei eine
wichtige Rolle.
Die fachkundige Person
ersetzt weder die Tragwerksplanung noch die Verantwortlichkeiten der übrigen
Projektbeteiligten. Vielmehr unterstützt sie mit ihrer Fachkenntnis die
übergreifende Kommunikation und trägt dazu bei, die Anforderungen an das
Betontragwerk aufeinander abzustimmen.
Fachliche
Weiterentwicklung in unserem Büro
Die neue DIN 1045
zeigt, wie wichtig das Zusammenspiel von Tragwerksplanung, Betontechnologie und
Bauausführung für die Qualität moderner Betonbauwerke ist. Wir möchten diese
Entwicklung aktiv begleiten und unsere fachlichen Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln.
Daher absolviert eine
unserer Mitarbeiterinnen die Weiterbildung zur fachkundigen Person nach DIN
1045-1000. Ziel ist es, die neuen Anforderungen besser in unsere
Planungsprozesse einordnen zu können, die Schnittstellen zu anderen
Projektbeteiligten fachlich fundiert zu begleiten und unsere Auftraggeber bei
anspruchsvollen Betonbauaufgaben kompetent zu unterstützen.
Unser Anspruch ist es,
Tragwerke nicht nur sicher und wirtschaftlich zu planen, sondern auch die
Voraussetzungen für eine dauerhaft hochwertige Ausführung zu schaffen. Die
Beschäftigung mit dem BBQ-Konzept ist für uns ein weiterer Schritt, diesem
Anspruch gerecht zu werden.

